Metal Alliance for Responsible Sourcing

Die Grenzen der Verantwortung

Seit Mitte der 2000er Jahre gerät der Abbau von metallischen Rohstoffen verstärkt in den Fokus der kritischen Öffentlichkeit. Dabei stehen insbesondere die Arbeitsbedingungen und die Menschenrechtssituation in Afrika im Mittelpunkt. Diese Themen nimmt die NE-Metallbranche sehr ernst und widmet sich deshalb der Sorgfalt in ihrer Lieferkette im Rahmen ihrer neuen Initiative „Mars – Metall Alliance for Responsible Sourcing“.

Als Reaktion auf diese Entwicklung brachte die US-Regierung im Jahr 2010 den Dodd-Frank Act als gesetzlichen Rahmen auf den Weg. Wolfram, Tantal, Zinn und Gold (kurz: 3TG) aus der Demokratischen Republik Kongo und deren Nachbarstaaten durften fortan nur noch mit Nachweisen importiert werden. Daraus entwickelte sich ein weltweites Nachweissystem“ innerhalb der metallischen Lieferkette. Die Auswirkungen für die Menschen vor Ort waren gravierend. Denn statt Arbeitsbedingungen zu verbessern und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten, zogen sich viele Unternehmen aus der Region zurück, ein De-facto-Embargo für rohstoffreiche Staaten war die Folge. 

Das Vereinigte Königreich zog mit dem UK Modern Slavery Act schnell nach, die EU etwas später mit der Verordnung zu Konfliktrohstoffen, die ab 2021 verbindlich wird. Darüber hinaus verabschiedete im Juni 2011 der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Daraus folgte die Aufforderung seitens der EU-Kommission, nationale Leitprinzipien in Kraft zu setzen. Die Kernelemente sind die folgenden:

  • Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  • Verfahren zur Ermittlung tatsächlicher und potenziell nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte
  • Maßnahmen zur Abwendung potenziell negativer Auswirkungen und Überprüfung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen
  • Berichterstattung
  • Beschwerdemechanismus
     

Politische Zielsetzungen im Responsible Sourcing

Die Bundesregierung hat sich 2018 im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, diese Leitprinzipien durch den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) umzusetzen. Sollte die umfassende Bestandsaufnahme im Rahmen des NAP im Jahr 2020 zu dem Ergebnis kommen, dass die bisher geltende freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreicht, wird Deutschland gesetzliche Vorgaben beschließen und sich für eine EU-weite Regelung einsetzen. Neben dem Nationalen Aktionsplan sind noch weitere Regelwerke in Kraft, wie die CSR-Berichterstattungsrichtlinie.

Viele Staaten in der EU haben sich des Themas „Responsible Sourcing“, also Sorgfalt in der Lieferkette, angenommen und arbeiten selbst an einer Lösung. Dies gilt auch für Deutschland. Hier arbeitet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bereits an einem nachhaltigen Wertschöpfungskettengesetz (Sorgfaltspflichtengesetz). Der Vorschlag sah unter anderem persönliche Haftungspflichten für den Corporate-Social-Responsibility (CSR)-Beauftragten im Unternehmen vor. 

Herausforderungen für ein globales Regelwerk

Bis heute hat es die Politik versäumt, ein einheitliches, weltweit geltendes Regelwerk zu schaffen, das ein freiwilliges und individuell anwendbares Baukastensystem ermöglicht. Die Leitsätze zur Sorgfaltspflicht (Due Diligence Guidance) der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) könnten solch ein Rahmenwerk darstellen. Doch dabei gibt es ein entscheidendes Problem: China oder andere rohstoffreiche Staaten haben nicht dieselben Standards wie die EU, auch ist beispielsweise China kein Mitglied der OECD. Dadurch findet beim Rohstoffeinkauf ein ungleicher Wettbewerb statt. Die Politik sollte zwingend alle nötigen Ressourcen bündeln, um Einheitlichkeit zu erreichen und China und andere rohstoffreiche Staaten von dem Ansatz des „Responsible Sourcing“ zu überzeugen.

Anforderungen industrieller Abnehmer

Nicht nur die Politik formuliert Anforderungen, auch große Unternehmen aus der Automobil-, der Elektro- und anderen Industrien reagieren auf den neuen Wettbewerbsfaktor CSR. Sie fordern Zulieferer dazu auf, Transparenz in der Lieferkette zu schaffen und den eigenen Sorgfaltspflichten nachzukommen. Die Einbindung der Zulieferer spiegelt sich in steigenden Anforderungskatalogen wider. Zulieferer sind mit detaillierten Fragebögen, wie dem der Initiative Drive Sustainability, diversen Auditierungsformaten oder Entwicklungshilfeprogrammen in Ursprungsländern konfrontiert. Der Autobauer BMW erklärte bereits, bis zum Jahr 2020 volle Transparenz in der Lieferkette von Konfliktmineralien schaffen zu wollen.

Bis heute hat es die Politik versäumt, ein einheitliches, weltweit geltendes Regelwerk zu schaffen, das ein freiwilliges und individuell anwendbares Baukastensystem ermöglicht.

Was macht Mars?

Als Antwort auf die zunehmenden Anforderungen an die NE-Metallbranche und ihre Lieferketten hat die Industrie „Mars“ ins Leben gerufen. Die Initiative Mars (Metal Alliance for Responsible Sourcing) ist ein zuverlässiger Partner für Unternehmen, um Sorgfalt in der Lieferkette strategisch auszubauen. Zusätzlich will Mars den Dialog mit Interessengruppen wie NGOs und Politik forcieren. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, eine CSR-Strategie zu entwickeln und stabile Managementsysteme zu etablieren. 

Die Leitfäden der OECD und aktuelle Anforderungen, die sich aus der EU-Verordnung für Konfliktrohstoffe und aus anderen nationalen Regelwerken ergeben, bilden dabei die Basis. Die Mitgliedsunternehmen der Initiative werden zuerst aufgrund ihrer bereits implementierten Managementsysteme und Maßnahmen zur unternehmerischen Verantwortung in der Lieferkette bewertet. Daraufhin entwickelt Mars individuelle Handlungsempfehlungen, um langfristig eine solide CSR-Strategie für Beschaffungsprozesse von Rohstoffen und Mineralien zu etablieren. Dies umfasst sowohl die Identifizierung und Bewertung von Risiken bei der Beschaffung als auch Maßnahmen zu deren Minimierung. Das Augenmerk liegt auf sozialen und ökologischen Themen, wie Kinderarbeit, Mindestlöhnen, Diskriminierung und Vereinigungsfreiheit sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz oder Umweltschutz bei der Rohstoffbeschaffung. 

Als Mitglieder der Initiative profitieren Unternehmen in vielfältiger Weise: Die Expertise von Mars hilft ihnen, etablierte Vorgehensweisen weiterzuentwickeln und neue Maßnahmen individuell auszugestalten. So entstehen maßgeschneiderte Lösungen auf Unternehmensebene, die den zukünftigen gesetzlichen Regelwerken entsprechen. Darüber hinaus sind Unternehmen in der Lage, punktgenau den CSR-Anforderungen der Kunden zu genügen und ihrer Sorgfaltspflicht in der Lieferkette nachzukommen.

Veröffentlicht im Mai 2020

Dr. Sebastian Schiweck

ist Leiter der Metal Alliance for Responsible Sourcing (Mars).

Pia Hackert

ist CSR & Sustainability Consultant der Metal Alliance for Responsible Sourcing (Mars).