Die Nichteisen-Metallindustrie im Detail

Die Situation
der Teilbranchen

Die NE-Metallindustrie gliedert sich in Leichtmetall (Aluminium und Magnesium), Buntmetall (Kupfer, Zink, Blei, Nickel und Zinn), Selten- und Edelmetalle sowie in die Produktionsstufen Erzeugung (Rohmetall), Halbzeug (Bänder, Bleche, Stangen, Profile, Rohre und Drähte), Weiterverarbeitung, Guss und Feuerverzinkung.

Aluminiumindustrie sieht 2020 als Herausforderung

Die deutsche Aluminiumindustrie beschäftigte 2019 rund 39.000 Mitarbeiter/-innen in etwa 180 Unternehmen. Die Branchenkonjunktur war zweigeteilt. Wachstum in der Halbzeugfertigung standen Rückgänge in den Bereichen Rohaluminium und Weiterverarbeitung gegenüber. Insgesamt verharrte die Produktion der Aluminiumindustrie 2019 auf dem Vorjahresniveau von 4,1 Millionen Tonnen. Der Umsatz der Branche lag 2019 bei 16 Milliarden Euro, davon acht Milliarden Euro auf ausländischen Märkten. Das entsprach einer Exportquote von 50 Prozent. 2020 wird herausfordernd: Die Corona-Krise überlagert aktuell die bestehenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit und den Handelsstreitigkeiten. Hinzu kommt der Transformationsprozess in der Automobilwirtschaft als strukturelle Herausforderung. Die größte Bedrohung resultiert jedoch aus regional ungleichen Wettbewerbsbedingungen und der hiermit einhergehenden Einfuhrflut chinesischer Produkte.

2019 wurden von der deutschen Aluminiumindustrie 1,2 Millionen Tonnen Rohaluminium erzeugt, sieben Prozent weniger als im Jahr davor. Die Herstellung von Rohaluminium teilte sich auf 508.000 Tonnen Hüttenaluminium und 692.000 Tonnen Recyclingaluminium auf. Der Recyclinganteil am Rohaluminium betrug 2019 etwa 58 Prozent. Global sank die Produktion von Rohaluminium 2019 gemäß World Bureau of Metal Statistics um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 79,8 Millionen Tonnen, wovon 53 Prozent in China hergestellt wurden. In Folge der protektionistischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten stieg zwar die Produktion von Primäraluminium dort um 25,6 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen. Das wurde jedoch durch den Rückgang in der Fertigung von Sekundäraluminium um sieben Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen überkompensiert, was letztendlich zu einem Minus in der US-Rohaluminiumproduktion von 0,5 Prozent auf 4,5 Millionen Tonnen führte. Die weltweite Verwendung von Primäraluminium nahm um 1,5 Prozent ab. China fragte 2019 bereits 57 Prozent der globalen Primärerzeugung nach.

Die Erzeugung von Aluminiumhalbzeug (erste Bearbeitung zu Walz-, Strangpressprodukten, Leitmaterial und Draht) belief sich 2019 auf 2,6 Millionen Tonnen und lag fünf Prozent über dem Vorjahr. Darunter stieg die Produktion von Halbzeug aus Aluminium und -legierungen ebenfalls um fünf Prozent auf 2.571.000 Tonnen. Der größte Anteil an der Halbzeugfertigung entfiel auf die Walzwerke, die über ein Drittel der europäischen Walzproduktion ausmachten. Die Hersteller von Walzprodukten wiesen 2019 ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr auf zwei Millionen Tonnen aus. Dagegen lag die Produktion von Press- und Ziehprodukten mit 541.000 Tonnen um knapp zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Fertigung von Leitmaterial blieb im Vorjahresvergleich stabil bei 6.000 Tonnen.

Die Aluminiumweiterverarbeitung stellte 2019 mit 11.000 Beschäftigten in etwa 50 Unternehmen insgesamt 354.000 Tonnen her. Die Produktion verringerte sich damit gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent. Während die Fertigung von Folien und dünnen Bändern sowie die Ausbringungsmenge von Tuben, Aerosol- und sonstigen Dosen um je sechs Prozent auf 278.000 Tonnen beziehungsweise 43.000 Tonnen sanken, ging die Produktion von Pulver schätzungsweise um fünf Prozent auf 33.000 Tonnen zurück. Der Umsatz der Aluminiumweiterverarbeitung belief sich auf 3,1 Milliarden Euro, davon wurden 1,4 Milliarden Euro im Ausland erzielt.

Aluminiumrecycling schließt Rohstoffkreisläufe und leistet somit einen substanziellen Beitrag zur Rohstoffversorgung und zur nachhaltigen Entwicklung in der Aluminiumindustrie. Nachhaltigkeit ist ein zentrales Anliegen der Aluminiumindustrie. Deutschland blieb 2019 wie in den Jahren zuvor Nettoexporteur von Aluminiumschrotten. 2019 lagen die Ausfuhren zum sechsten Mal in Folge über der Marke von einer Million Tonnen. Diese Menge ging größtenteils in die Nachbarländer, insbesondere nach Italien, Österreich und Polen. Der Export nach China stieg 2019 erstmals seit drei Jahren wieder um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 38.000 Tonnen.

Produktion nach Produktionsstufen

Die Buntmetallindustrie rechnet für 2020 mit einer rückläufigen Produktion

Die deutsche Buntmetallindustrie (Kupfer, Zink, Blei, Nickel, Zinn und Seltenmetalle) beschäftigte 2019 rund 31.000 Mitarbeiter/-innen in 260 Unternehmen und erwirtschaftete einen Umsatz von knapp 18 Milliarden Euro. Die Branche verzeichnete einen Produktionsrückgang von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wurden insgesamt 2,7 Millionen Tonnen produziert. Die einzelnen Teilbranchen entwickelten sich sehr unterschiedlich.

Die Fertigung der gesamten Rohmetallerzeuger ging im Jahr 2019 im Vorjahresvergleich um vier Prozent auf 1,2 Millionen Tonnen zurück. Darunter verzeichnete die Produktion von raffiniertem Kupfer und Kupfergusslegierungen produktionstechnisch bedingt ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und sank auf 628.000 Tonnen. Die Ausbringungsmenge von Zink, Blei, Zinn und deren Legierungen wuchs im selben Zeitraum um vier Prozent auf 558.000 Tonnen.

Die globale Produktion von raffiniertem Kupfer sank 2019 gemäß International Copper Study Group (ICSG) um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 23,9 Millionen Tonnen. China weitete seine Produktion nochmals um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf ein neues Rekordniveau von 9,7 Millionen Tonnen aus. Das waren knapp 41 Prozent der Weltproduktion. Die globale Kupfernachfrage ging zwar 2019 leicht um 0,8 Prozent auf 24,3 Millionen Tonnen zurück. Dennoch steigerte China seine Nachfrage um 1,4 Prozent auf 12,7 Millionen Tonnen und kam somit allein auf einen Anteil von 52 Prozent des Weltbedarfs. Insgesamt entstand global ein Produktionsdefizit von 519.000 Tonnen. Die weltweite Bergbauproduktion sank 2019 um 0,7 Prozent auf 20,4 Millionen Tonnen. Die ICSG rechnet für 2020 mit einer Weltproduktion von 25,3 Millionen Tonnen und einer Nachfrage von 25,0 Millionen Tonnen raffinierten Kupfers. Damit würde der Angebotsüberhang etwa 300.000 Tonnen betragen.

Die weltweite Primärverhüttung von Zink verzeichnete 2019 zwischen Produktion und Verwendung laut International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) ein Marktdefizit von 183.000 Tonnen. Die Weltzinkproduktion lag mit 13,5 Millionen Tonnen 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Nach einer Zunahme der chinesischen Produktion um 8,8 Prozent auf 6,2 Millionen Tonnen stieg Chinas Anteil an der Weltproduktion auf 46 Prozent. Die Weltnachfrage verharrte knapp über dem Vorjahresniveau bei 13,7 Millionen Tonnen. Davon fanden 48 Prozent in China Verwendung. Die globale Minenproduktion wuchs 2019 um 0,9 Prozent auf 12,9 Millionen Tonnen.

Der Weltmarkt für raffiniertes Blei und Bleilegierungen war 2019 weitgehend ausgeglichen. So überstieg die Produktion des Metalls dessen Verwendung lediglich um 15.000 Tonnen. Die Fertigung lag mit 11,8 Millionen Tonnen annähernd auf Vorjahresniveau (minus 0,1 Prozent). China hatte sowohl einen Anteil an der Weltproduktion als auch an der globalen Verwendung von jeweils 42 Prozent, versorgte sich also überwiegend selbst mit metallischem Blei und trat in Europa primär als Anbieter von weiterverarbeiteten Produkten wie Batterien auf. Der Anteil an recyceltem Blei an der Gesamtproduktion lag in der Europäischen Union bei 77 Prozent und in China gerade einmal bei 43 Prozent. Die globale Minenproduktion stieg 2019 um 0,7 Prozent auf 4,7 Millionen Tonnen Bleiinhalt im Konzentrat.

Die Produktion der gesamten Halbzeughersteller (erste Bearbeitung zu Bändern, Blechen, Stangen, Profilen, Rohren und Draht) sank 2019 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen. Darunter wies der größte Bereich, die Herstellung von Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen, einen Rückgang von 17 Prozent auf 803.000 Tonnen aus. Maßgeblich hierfür waren sowohl brancheninterne strukturelle Gründe als auch die Umstellung der Automobilindustrie auf neue Antriebsarten. Die Fertigung von Halbzeug aus blankem Kupferleitmaterial verringerte sich im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 599.000 Tonnen und die Produktion im Bereich für Halbzeug aus Zink, Blei, Zinn, Nickel und deren Legierungen um zehn Prozent auf 151.000 Tonnen.

Schwächeres Jahr für Nichteisen-Metallgießereien

Die deutsche NE-Metallgießerei-Industrie wies 2019 rund 37.000 Beschäftigte in knapp 200 Unternehmen aus. Der Branchenumsatz belief sich auf sieben Milliarden Euro. 2019 produzierten die NE-Metallgießereien insgesamt etwa 1,1 Millionen Tonnen. Damit bewegte sich die Fertigung um knapp drei Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Darunter ging die Produktion im bedeutendsten Bereich, in den Aluminiumgießereien, um zwei Prozent auf 996.000 Tonnen zurück. Die Magnesiumgießereien verzeichneten ein Minus von 15 Prozent auf 15.000 Tonnen. Die Fertigung von Kupfergussteilen sank im selben Zeitraum um drei Prozent auf 77.000 Tonnen und die Produktion der Zinkgießereien um vier Prozent auf 57.000 Tonnen. Während die Gussproduktion von Komponenten für den Maschinenbau um 17 Prozent zurückging, nahm die Produktion für den Fahrzeugbau um zwei Prozent ab. Dabei betrug der Anteil von Komponenten für den Straßenfahrzeugbau 80 Prozent. Insgesamt ging das Auftragsvolumen 2019 bei den NE-Metallgießereien um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Bei den Aluminiumgießereien sind die Bestellungen mit 948.000 Tonnen um neun Prozent verglichen zum Vorjahreszeitraum gesunken. Die Magnesiumgießereien meldeten ein Auftragsniveau von 15.000 Tonnen, was einem Minus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Gießereien, welche Kupferlegierungen verarbeiten, verbuchten mit 73.000 Tonnen ein Auftragsminus von 21 Prozent. Die Aufträge an die Zinkgießereien sanken um 20 Prozent auf 56.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Exportvolumen für 2019 lag mit 140.000 Tonnen um sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Auftragsreserven lagen Ende November bei rund 240.000 Tonnen. Die Reichweite der Auftragsbestände unterschritt mit 2,5 Monaten den langjährigen Durchschnitt von vier Monaten spürbar.

Feuerverzinkungsindustrie 2019 weiterhin auf hohem Niveau

Die deutsche Feuerverzinkungsindustrie als wichtiger Zinkanwender verfehlte im Jahr 2019 das gute Vorjahresergebnis bezüglich der Verzinkungstonnage um 2,5 Prozent, bewegte sich aber dennoch weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Branchenumsatz sank im selben Zeitraum um vier Prozent. Mit 4.800 Erwerbstätigen blieb im Jahr 2019 die Zahl der Beschäftigten in den knapp 150 Verzinkereien im Vergleich zum Vorjahr stabil. Verwendet werden die Produkte der Branche in den Bereichen Bauwesen (51 Prozent), Industrieausrüstung (12 Prozent), Fahrzeug/Transport (12 Prozent), Straßenausstattung (7 Prozent), Gartenbau/Landwirtschaft (6 Prozent) und Sonstige (12 Prozent).

Veröffentlicht im Mai 2020