Die Lage der Weltkonjunktur

Weltwirtschaft 2019
ohne Schwung

Die weltwirtschaftliche Expansion ließ im vergangenen Jahr nach. Handelskonflikte der Vereinigten Staaten mit China und der Europäischen Union sowie das Risiko eines ungeordneten Brexits belasteten den Welthandel und die Investitionstätigkeit im Jahresverlauf. Deutschlands Industrie steckte in einer Rezession.

Weltwirtschaftswachstum*

Die Weltwirtschaft wuchs im Jahr 2019 nur noch um 2,9 Prozent. Der Welthandel verlangsamte sich sogar auf 0,9 Prozent. Das vorige Jahr war geprägt von immer wieder neuen Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China einerseits sowie der Europäischen Union andererseits. Nach Einführung von zehnprozentigen US-Zusatzzöllen auf Aluminium- und Stahleinfuhren aus der Europäischen Union im Jahr 2018 verlagerte sich der Streit 2019 auf Subventionen für Airbus beziehungsweise Boeing. Infolgedessen setzten die Vereinigten Staaten 2019 Vergeltungszölle überwiegend auf landwirtschaftliche Produkte und Flugzeugteile aus der Europäischen Union in Kraft. Als politisches Druckmittel besteht nach wie vor die Einführung von US-Zusatzzöllen auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der Europäischen Union. Ebenso wenig konnte im Vorjahr ein ungeordneter Brexit ausgeschlossen werden, was den Handel zwischen Europäischer Union und  dem Vereinigten Königreich bereits spürbar lähmte und Investitionen im Vereinigten Königreich dämpfte. Somit trübte sich die Weltkonjunktur in der Breite ein. Deutschlands Industrie steckte bereits 2019 in einer Rezession und drohte, den Dienstleistungssektor anzustecken. Europas vormaliger Wachstumsmotor Deutschland stockte 2019 und führte zu einer konjunkturellen Abkühlung in den ökonomisch stark vernetzten europäischen Volkswirtschaften. China wurde durch den Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten ausgebremst und wies eine abnehmende, wenn auch weiterhin hohe Wachstumsrate aus. Infolge von COVID-19 dürfte der Welthandel 2020 um elf Prozent einbrechen. Im nächsten Jahr wird wieder mit einer Aufwärtsbewegung um mehr als acht Prozent gerechnet. Die Weltwirtschaft dürfte im laufenden Jahr um drei Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr wieder um 5,8 Prozent wachsen.

Deutschland wies 2019 mit 0,6 Prozent ein deutlich niedrigeres Wirtschaftswachstum aus als ein Jahr zuvor. Das Inland war für die deutsche NE-Metallindustrie mit Abstand der größte Absatzmarkt. Hier wurden 2019 rund 51 Prozent des Branchenumsatzes erzielt. Maßgeblich für die deutliche Wachstumsabschwächung waren eine spürbar nachlassende Dynamik der Auslandsnachfrage, eine Industrierezession sowie eine zunehmende Zurückhaltung bei Ausrüstungsinvestitionen. Die privaten Konsumausgaben stiegen dank hoher Beschäftigung, steigender Reallöhne und niedriger Zinsen um 1,6 Prozent. Noch deutlicher erhöhte der Staat dank der guten Haushaltslage seinen Konsum um 2,6 Prozent.

2019 wurden 0,9 Prozent mehr Waren exportiert als im Vorjahr. Die Einfuhr wuchs mit 1,9 Prozent etwas stärker. Somit fiel der Wachstumsbeitrag des Außenhandels zum Bruttoinlandsprodukt mit minus 0,4 Prozentpunkten negativ aus. Während die deutschen Exporte in die drei wichtigsten Auslandsmärkte 2019 im Vorjahresvergleich spürbar stiegen (Vereinigte Staaten: plus 4,7 Prozent, Frankreich: plus 1,4 Prozent und China: plus 3,2 Prozent), sank die Nachfrage aus dem fünftgrößten Auslandsmarkt dem Vereinigten Königreich um 4,2 Prozent. Im Vergleich zu 2015, dem Jahr vor dem Brexit-Votum, war das bereits ein Rückgang um 11,6 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im vorigen Jahr um 397.000 auf knapp 45,3 Millionen. In einem weiterhin sehr günstigen Finanzierungsumfeld erhöhten sich die Bruttoanlageinvestitionen insgesamt um 2,6 Prozent. Darunter stiegen die Ausrüstungsinvestitionen nur um 0,6 Prozent und die Bauinvestitionen um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die mit 1,4 Prozent nur sehr moderat gestiegenen Energiepreise bewirkten, dass sich die Inflation wieder von der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank nach unten wegbewegte. Vergangenes Jahr war das achte Jahr in Folge, in dem der Staat einen Haushaltsüberschuss erzielte. Dieser belief sich auf annähernd 50 Milliarden Euro.

Ausblick: Im März 2020 hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft insgesamt gemäß ifo-Geschäftsklimaindex außergewöhnlich verschlechtert. Maßgeblich war eine Zuspitzung der Corona-Krise in Europa und den Vereinigten Staaten. Im verarbeitenden Gewerbe war der Einbruch der Erwartungen in 70 Jahren Industrieumfragen historisch einmalig. Etliche Unternehmen kündigten Produktionskürzungen an. Dienstleistungssektor, Groß- und Einzelhandel waren – anders als in der Finanzkrise 2009 – gleichermaßen negativ betroffen. Bauunternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage zwar noch zufrieden. Dennoch trübte sich deren Ausblick ein. Risiken bestehen im Rahmen der Corona-Krise nicht zuletzt in weitreichenden Produktionsstillegungen und in lang anhaltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Dazu kommen Risiken, die bereits vor der Corona-Krise bestanden, wie fortwährende Produktionsprobleme in der Automobilindustrie im Rahmen des Transformationsprozesses hin zur Elektromobilität, anhaltende Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China beziehungsweise der Europäischen Union sowie ein unsicherer Ausgang der Verhandlungen zum zukünftigen Verhältnis zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Chancen ergeben sich 2020 in der Erprobung und im Ausbau mobiler Arbeit und digitaler Verwaltung angestoßen durch die Corona-Pandemie, im strukturellen Wandel zur Elektromobilität, im 5G-Breitbandnetzausbau und in einer zunehmenden Digitalisierung. Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose geht in ihrem Gutachten vom 8. April 2020 davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2020 um 4,6 Prozent schrumpft. 2021 dürften Aufholeffekte das Wachstum auf 5,8 Prozent erhöhen. Hierfür wurde vorausgesetzt, dass sich die wirtschaftliche Lage über die Sommermonate rasch normalisiert.

Verwendung des Inlandsprodukts

Eckdaten für Deutschland

Außenhandelssalden 2019

Export 2019 nach Ländern

Die Europäische Union blieb 2019 die bedeutendste Absatzregion für in Deutschland hergestelltes Rohmetall und Halbzeug. Annähernd 90 Prozent des Branchenumsatzes, rund 47 Milliarden Euro, wurden im europäischen Binnenmarkt (einschließlich des Vereinigten Königreichs) erzielt. Werden nur die Ausfuhren der deutschen NE-Metallindustrie betrachtet, so wurden hiervon 76 Prozent in EU-Partnerländer geliefert. In der Europäischen Union (ohne das Vereinigte Königreich) wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2019 moderat um 1,7 Prozent. Für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 7,1 Prozent gerechnet. 2021 könnte das Bruttoinlandsprodukt im günstigsten Fall wieder um 4,8 Prozent wachsen. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) blieb im letzten Jahr expansiv. Seit März 2016 verharrt der Leitzins der EZB auf dem seit Einführung des Euro historisch niedrigsten Zinsniveau von 0,00 Prozent. Der Wert des Euro blieb im Jahresverlauf 2019 (minus 1,4 Prozent) gegenüber dem US-Dollar stabil und lag zum Jahresende bei 1,12 US-Dollar je Euro.

Österreich übernahm 2019 vom Vereinigten Königreich den ersten Platz im Exportländer-Ranking der deutschen NE-Metallindustrie. Die dortige Volkswirtschaft entfaltete im vorigen Jahr mit einem Wachstum von 1,6 Prozent nur wenig Dynamik. Der Rohmetall- und Halbzeugexport nach Österreich stieg leicht um 0,9 Prozent auf 368.000 Tonnen. 27 Prozent davon waren Rohaluminium. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich nach einem Rückgang um sieben Prozent im laufenden Jahr erst im Jahr 2021 um 4,5 Prozent erholen.

Nach Italien wurden 333.000 Tonnen NE-Metalle geliefert, sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Darunter entfielen 40 Prozent auf Kupferhalbzeug (überwiegend Kupferdraht, Messingstangen und Kupferband) und ein Drittel auf Aluminiumhalbzeug (zum Großteil Bleche/Bänder) und Aluminiumfolien. Italien spielte mit seiner starken metallverarbeitenden Industrie seit jeher eine bedeutende Rolle als Absatzmarkt für Halbzeug. Italien erhielt 2019 mit seinem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent die rote Laterne in der Europäischen Union. In dem von COVID-19 besonders stark betroffenen Land wird 2020 ein Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 9,1 Prozent erwartet. 2021 dürfte die italienische Volkswirtschaft wieder ein Wachstum von 4,8 Prozent erreichen.

Frankreich fragte im vergangenen Jahr mit 304.000 Tonnen zwar elf Prozent weniger Rohmetall und Halbzeug nach als 2018, blieb aber dennoch der drittgrößte Exportmarkt für die deutsche NE-Metallindustrie. Die Ausfuhren nach Frankreich setzten sich zu 30 Prozent aus Aluminiumblechen und -bändern, zu 15 Prozent aus Aluminiumfolien und zu neun Prozent aus Rohaluminium zusammen. Bleche und Bänder aus Kupfer und -legierungen spielten mit einem Anteil von zehn Prozent ebenso eine Rolle. Die Konjunktur im Nachbarland entwickelte sich 2019 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent nur wenig dynamisch. Im laufenden Jahr dürfte die französische Volkswirtschaft ein negatives Wachstum von 7,2 Prozent verzeichnen. 2021 wäre ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent denkbar.

Das Vereinigte Königreich war 2019 nur noch der viertwichtigste (2018 der wichtigste) Auslandsmarkt für die deutsche NE-Metallindustrie. Die Ausfuhr in das Vereinigte Königreich sank um 35 Prozent gegenüber 2018 auf 299.000 Tonnen und die Einfuhr um neun Prozent auf 259.000 Tonnen. Ein Großteil der Exporte war Halbzeug – überwiegend Aluminium. Am 31. Januar 2020 trat das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus. Der unklare Ausgang der Verhandlungen zum zukünftigen Verhältnis zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich dürfte Wachstumsmöglichkeiten für die britische Wirtschaft nach der Corona-Krise dämpfen. Das Wirtschaftswachstum lag 2019 bei 1,4 Prozent. Für die folgenden beiden Jahre werden Wachstumsraten von minus 6,5 Prozent beziehungsweise plus vier Prozent erwartet.

Die Vereinigten Staaten lagen 2019 als bedeutendste Zielregion außerhalb Europas weiter auf Platz zehn der Exportmärkte der Branche. Fünf Prozent der Ausfuhren von Rohmetall und Halbzeug wurden dorthin geliefert. Mit 185.000 Tonnen im vergangenen Jahr waren das acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor und sogar 25 Prozent mehr als 2017. Trotz der Mitte 2018 in Kraft getretenen zehnprozentigen US-Zusatzzölle auf Aluminiumeinfuhren aus der Europäischen Union stiegen 2019 die US-Importe von Rohaluminium und Halbzeug einschließlich Folien aus Deutschland um ein Fünftel gegenüber 2018. Die Vereinigten Staaten spielten insbesondere als Absatzmarkt für Halbzeug eine große Rolle. 68 Prozent der Branchenexporte waren aus dem Bereich Aluminium, weitere 27 Prozent stammten aus der Kupferindustrie und vier Prozent von Nickelhalbzeugherstellern. Die Vereinigten Staaten wiesen 2019 ein solides Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent aus. Maßgeblich hierfür waren eine Steigerung der Staatsausgaben und ein deutlicher Anstieg des privaten Konsums, der zu etwa 70 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten beiträgt. 2019 senkte die US-Notenbank den Leitzins dreimal bis auf einen Zinskorridor zwischen 1,5 und 1,75 Prozent zum Jahresende. Mit Zuspitzung der Corona-Krise in den Vereinigten Staaten wurde der Leitzins Mitte März sogar auf einen Zinskorridor zwischen 0,00 und 0,25 Prozent festgelegt. 2020 dürfte die US-Wirtschaft mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,9 Prozent abschließen. Im kommenden Jahr wird mit einem Wachstum von 4,7 Prozent gerechnet.

China hat durch seine riesige Nachfrage nach Rohstoffen (Erze und Konzentrate) und nach Rohmetallen sowie seinen hohen Anteil an der globalen Produktion von Rohmetall und Halbzeug einen enormen Einfluss auf den Weltmarkt für Metalle. Sorgen bereiten die hohen Überkapazitäten in der Grundstoffindustrie. Die deutschen NE-Metall-Unternehmen haben dort investiert, um die Abnehmerindustrien vor Ort zu beliefern. Daher spielt China für den deutschen Export von Rohmetall und Halbzeug nur eine relativ unbedeutende Rolle. So wurden 2019 gerade einmal 67.000 Tonnen nach China ausgeführt, sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Mitte 2017 wurden die chinesischen Vorschriften für Schrotteinfuhren mehrfach verschärft. Dementsprechend brachen die deutschen Exporte von NE-Metallschrotten nach China im darauffolgenden Jahr bereits um 38 Prozent auf 145.000 Tonnen ein. Diese Entwicklung setzte sich 2019 mit einem weiteren Rückgang um 24 Prozent auf 111.000 Tonnen fort. Besonders minderwertige Schrottqualitäten der Kategorien sechs und sieben waren in China nicht mehr gefragt. Somit ging Chinas Bedeutung vom vormals größten zum fünftgrößten Auslandsmarkt für deutsche NE-Metallschrotte zurück. Infolge des Handelskonfliktes mit den Vereinigten Staaten wurde ab 2018 besonders chinesisches Halbzeug auf den europäischen Markt umgelenkt. So exportierte China letztes Jahr 116.000 Tonnen Aluminiumhalbzeug und Aluminiumfolien nach Deutschland. Das war nochmals ein leichter Anstieg von gut einem Prozent gegenüber 2018, aber ein deutliches Plus von 39 Prozent verglichen mit 2017. Die Dynamik der chinesischen Wirtschaft ließ im Vergleich zu 2018  mit einer Wachstumsrate von nur noch 6,1 Prozent nach. 2020 dürfte das Wachstum wegen der Corona-Krise auf 1,2 Prozent zurückgehen und im kommenden Jahr auf 9,2 Prozent steigen, falls die Erholung rasch einsetzt. 

Veröffentlicht im Mai 2020