Der Geschäftsbericht der
Nichteisen-Metallindustrie

18.19

Die gesamte Branche im Fokus
Die deutsche Nichteisen-
Metallindustrie im Jahr 2018

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die aktuellen wirtschaftlichen Daten und Hintergründe der Nichteisen-Metallindustrie.

Beschäftigung steigt leicht

Die deutsche Nichteisen(NE)-Metallindustrie beschäftigte 2018 rund 110.867 Arbeitskräfte in 654 Unternehmen. Das waren 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Einschließlich der von der NE-Metallindustrie abhängigen Arbeitsplätze bei Industriedienstleistern betrug die Beschäftigungswirkung etwa 260.000 Erwerbstätige.

110.867
Beschäftigte
654
Unternehmen
Vorläufig; Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; eigene Erhebungen

Moderater Produktionsrückgang seit 2012

Die metallerzeugenden und -verarbeitenden Unternehmen erwirtschafteten 2018 eine Produktion von 8,3 Millionen Tonnen (minus zwei Prozent gegenüber 2017). Konjunkturelle Risiken (Brexit, US-Zölle auf Automobile) dürften 2019 in der NE-Metallindustrie bestenfalls zu einer gegenüber dem Vorjahr leicht steigenden Produktion führen.

8,3
Produktion (Mio. t)
Vorläufig; Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; eigene Erhebungen

Beinahe 90 Prozent des Absatzes blieben in der Europäischen Union

Der Umsatz der NE-Metallindustrie belief sich 2018 insgesamt auf 52,4 Milliarden Euro. Davon erzielte die Branche 89 Prozent (46,6 Milliarden Euro) in der Europäischen Union beziehungsweise 53 Prozent (27,7 Milliarden Euro) im Inland. 24,7 Milliarden Euro wurden auf ausländischen Märkten verdient. Das entsprach einer Exportquote von 47 Prozent.

52,4
Umsatz (Mrd. €)
24,7
davon Ausland (Mrd. €)
Vorläufig; Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; eigene Erhebungen

Absatzmärkte für Rohmetall und Halbzeug 

Deutschland ist Nettoexporteur von Halbzeug und Nettoimporteur von Rohmetall

Deutschland ist nicht nur Nettoimporteur von Erz und Konzentrat, sondern auch von Rohmetall. Das heißt, Deutschland importiert deutlich mehr Rohmetall als es exportiert. Hier spiegelt sich die Abhängigkeit der deutschen Industrie von Rohmetallimporten wie Aluminium, Nickel, Zink, Zinn und etlicher Seltenmetalle aus dem Ausland wider. Die Rohmetalleinfuhr ging 2018 um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,2 Millionen Tonnen zurück. Die Ausfuhr von Rohmetall sank um drei Prozent auf 891.000 Tonnen. Andererseits ist Deutschland Nettoexporteur von Halbzeug. Die exportstarke Halbzeugindustrie profitierte von einer etwa ein Prozent höheren Auslandsnachfrage in Höhe von 3,3 Millionen Tonnen. Dem stand ein Import von 2,2 Millionen Tonnen gegenüber. Das war knapp über dem Vorjahresniveau. Die gesamte Branche sieht die weltweit zunehmenden protektionistischen Entwicklungen mit Sorge, die bereits zu Marktverzerrungen führen.

29,3
Energieeinsatz 2017 (Mrd. kWh)
16,2
davon Strom (Mrd. kWh)
Vorläufig; Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; eigene Erhebungen

NE-Metalle werden gebraucht, nicht verbraucht.

Endproduktbezogene Recyclingquoten (End of Life) liegen zum Beispiel für Aluminium, Kupfer und Zink aus dem Baubereich sowie für Blei aus Altbatterien bei rund 95 Prozent und für Aluminium aus dem Verpackungsbereich bei etwa 90 Prozent. Die wiedergewonnenen Metalle dienen den Recyclinghütten, den Gusslegierungsherstellern, der Halbzeugindustrie (erste Bearbeitung) und den Herstellern von Gussteilen als Rohstoff. In der Rohmetallerzeugung stieg die Recyclingquote 2018 in Abhängigkeit von der Schrottverfügbarkeit um einen Prozentpunkt auf 53 Prozent. Eine sichere Verfügbarkeit von Erzen, Konzentraten und Schrotten ist die Basis für die Produktion der Branche.

Die NE-Metallindustrie stabilisierte ihren spezifischen Energieeinsatz auf niedrigem Niveau

So ging der spezifische Energieeinsatz seit 1995 erheblich zurück und verharrte in den Jahren 2015 bis 2017 bei etwa 3,6 Megawattstunden je Tonne. Neben einer kontinuierlichen Verbesserung der Energieeffizienz wirken sich auch Änderungen im Produktportfolio in den vergangenen 20 Jahren positiv aus. So sank die sehr energieintensive Rohmetallerzeugung aus Erz während die weniger energieintensive Rohmetallerzeugung aus Sekundärmetallen stieg. Gleichzeitig hat sich die Bedeutung der Metallverarbeitung gegenüber der Rohmetallerzeugung erhöht. Damit war auch ein deutlicher Rückgang des spezifischen Energieeinsatzes verbunden.

Zunehmende Bedeutung der Rohmetallerzeugung aus Sekundärmaterialien

Nichteisen-Metallindustrie stabilisiert den spezifischen Energieeinsatz auf niedrigem Niveau

Beschäftigte

Produktion

Das Börsenhandelsvolumen einiger Industriemetalle beträgt im Durchschnitt mehr als das Fünfzigfache der jeweiligen Weltproduktion

NE-Rohmetalle wurden seit Beginn des Rohstoffbooms 2005/2006 verstärkt gehandelt. Infolge des zunehmend unruhigen weltwirtschaftlichen Fahrwassers stieg der Umsatz der Industriemetalle an der London Metall Exchange (LME) 2018 deutlich gegenüber dem Vorjahr. So legte gerade bei Aluminium der Börsenumsatz mit 26 Prozent besonders stark zu. Damit wurde jede produzierte Tonne Aluminium im Durchschnitt über 20-mal, bei Kupfer sogar etwa 50-mal an der Börse umgesetzt.

Die Metallbörsenpreise bleiben volatil

2018 entwickelten sich die Metallnotierungen an der Londoner Metallbörse im Jahresdurchschnitt sehr unterschiedlich (siehe nachfolgende Tabelle). So verzeichneten Aluminium und Kupfer jeweils einen leichten, Nickel einen deutlichen Anstieg im Vorjahresvergleich. Dagegen wiesen Blei, Zink und Zinn Rückgänge aus. Beeinflusst wurde die Börsenpreisentwicklung der NE-Metalle unter anderem von einer sich eintrübenden Weltkonjunktur, sehr volatilen Ölpreisen und einer Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar um fünf Prozent im Jahresverlauf 2018. Investoren kaufen häufig Rohstoffe wie Kupfer und Öl als Teil eines sogenannten Korbs, sodass ein Anstieg des einen Rohstoffs sich auch auf die übrigen Rohstoffe im Korb auswirkt. Maßgeblich war auch die nachlassende konjunkturelle Dynamik in China, das einen großen Anteil an der globalen Produktion und Verwendung von Rohmetallen hat. Folglich beeinflusst das Verhältnis von chinesischer Rohmetallproduktion zum -bedarf die Metallpreisentwicklung an den Börsen stark.

Anteil der Weltproduktion am Börsenumsatz 2018

Entwicklung der Börsenpreise von NE-Metallen

Autor

Oliver Eisenberg erstellt Konjunktur-,
Quartals­berichte und Monatsnotizen
für die WVMetalle. Sie erreichen ihn unter

eisenberg@gdb-online.org