Der Geschäftsbericht der
Nichteisen-Metallindustrie

18.19

Handelspolitik
Made in USA:
Zölle und Sanktionen gegen Europa

Die neue Handelspolitik der USA hat einen gravierenden Einfluss auf die deutsche NE-Metallindustrie. Zölle auf Aluminium, Sanktionen gegen russische Metallproduzenten und drohende Restriktionen ausländischer Automobilimporte in die USA erzeugen eine handelspolitische Negativspirale.

Dr. Sebastian Schiweck
ist Leiter für Handels- und
Rohstoffpolitik der WVMetalle.
Sie erreichen ihn unter
schiweck@wvmetalle.de

2018 begann mit einem Angriff auf den liberalen Welthandel. Am 17. Januar 2018 legte das US-Handelsministerium einen Bericht vor, der die nationale Sicherheit durch die Abhängigkeit von Aluminiumimporten gefährdet sieht. Die Europäische Union versuchte im Anschluss Zölle oder Quoten auf US-Aluminiumimporte zu verhindern. Vergeblich. Seit dem 1. Juni 2018 werden Aluminiumimporte aus Europa mit einem Zollsatz von zehn Prozent belegt. Die neue Handelspolitik der USA sieht den Freihandel nicht mehr als wohlstandsfördernd für alle Beteiligten, sondern merkantilistisch als Instrument des eigenen Vorteils. Diese Entwicklung kann verheerende Folgen für die europäische und allen voran für die deutsche Industrie haben. Exporte in die USA werden erschwert und zugleich aus anderen Regionen nach Europa umgeleitet. Eine Studie von Prof. Dr. Taube, Universität Duisburg-Essen, quantifiziert, dass die chinesischen Exporte in die USA 2018 und 2019 um 20 beziehungsweise 25 Prozent einbrechen könnten. Ungefähr ein Drittel dieser Mengen könnte nach Europa umgeleitet werden. Gleiches gilt für einen Teil der Exporte aus Russland sowie aus den Golfstaaten.

Importmenge von Walzfabrikaten/Stangen und Profilen von China nach Deutschland

Warentarifnummer 76 060 000 
Warentarifnummer 76 040 000

Quelle: GDA

 

 

Für die NE-Metallindustrie ist es sehr wichtig, dass die EU die europäische Industrie gegenüber marktverzerrten und subventionierten Einfuhren schützt. Dabei helfen neben der aktualisierten Antidumping-Verordnung auch die Verordnung über eine gemeinsame Einfuhrregelung vom 11. März 2015. Im Rahmen der Verordnung kann es eine Überwachung der EU-Importe geben, sollte eine schwerwiegende wirtschaftliche Situation dies erfordern. Da es in der Aluminiumindustrie weltweit große Überkapazitäten gibt, die zu Lasten der deutschen und europäischen Aluminiumindustrie gehen, ist diese Überwachung seit dem 12. Mai 2018 zu begrüßen. An deren Ende könnten EU-Schutzmaßnahmen für Aluminiumimporte stehen.

Sanktionen treffen auch die europäische Aluminiumindustrie

Zusätzlich zur Handelspolitik hatten auch die Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen Russland einen negativen Einfluss auf die deutsche NE-Metallindustrie. Sanktionen sind politisch motiviert und trocknen faktisch alle Geschäftsbeziehungen mit den sanktionierten Unternehmen bzw. Personen aus. Bei Zuwiderhandlung ist den Unternehmen auch kein Geschäft mit US-Unternehmen mehr möglich. Dies gilt ebenso für eine Bankenfinanzierung.

Vor allem die am 6. April 2018 erlassenen Sanktionen, gegen sieben russische Konzernchefs, zwölf durch sie kontrollierte Unternehmen sowie gegen siebzehn russische Regierungsfunktionäre, eine staatliche Rüstungsfirma und eine Bank haben die europäische Aluminiumindustrie hart getroffen. Denn unter den sanktionierten Personen befand sich mit Oleg Deripaska der Eigentümer des Rusal-Tochterunternehmens Auginish, der größten europäischen Tonerdefabrik in Irland. Infolge der Sanktionen waren die europäischen Aluminiumhütten und -halbzeugwerke von einem wichtigen Teil ihrer Rohstoffversorgung abgeschnitten. Der Preis für Tonerde, dem wichtigsten Rohstoff für die Erzeugung von Primäraluminium, war zwischenzeitlich um bis zu 80 Prozent, von 393 US-Dollar die Tonne auf bis zu 707 US-Dollar die Tonne, gestiegen. Wegen der mangelnden Einfuhrmöglichkeiten aus Russland legten auch die Preise für die Bereitstellung von Rohaluminium in Europa spürbar zu. 

30
der in Deutschland produzierten Metalle werden im Fahrzeugbau verwendet

Bei Aluminium sind es 50%, beim NE-Metallguss sogar 80%. Insgesamt gehen etwa 4% unserer NE-Produktion auf direkte und indirekte Exporte in die USA zurück.

Entspannung am Markt durch erfolgreiche Zusammenarbeit

Gemeinsam mit dem Gesamtverband der Aluminiumindustrie (GDA) und der European Alumimium (EA) reagierte die WVMetalle frühzeitig auf diese Entwicklung und informierte über die Folgen der Sanktionen gegen Rusal auf allen politischen Ebenen. Die WVMetalle hat darüber hinaus eine erfolgreiche Delegationsreise nach Washington D.C. mit Unternehmens- und Verbandsvertretern organisiert: Zum einen wurde im Nachgang durch die zuständige Behörde Office of Foreign Asset Control (OFAC) die Verfahrensanweisung für die Sanktionen (General License) angepasst. Zum anderen wurde in der US-Administration hinterlegt, dass die Sanktionen auch die Partner in Europa treffen. Nach langen Verhandlungen und Änderung der Eigentumsverhältnisse von Rusal wurden am 27. Januar 2019 die Sanktionen von OFAC gegen Rusal aufgehoben. Das führte zu einer Entspannung im Markt. Aufgrund der politischen Verhältnisse in Washington sind jedoch weitere Sanktionen gegen Russland jederzeit möglich. 

Mitte Februar 2019 hat das US-Handelsministerium einen Bericht zu Autoimporten veröffentlicht. Dieser spricht an US-Präsident Trump die Empfehlung aus, zum Schutz der nationalen Sicherheit Zölle auf US-Importen von Kraftwagen und Kraftwagenteilen aus Europa zu verhängen. Über eine Verlängerung der Frist bis November 2019 bzw. die Begrenzung der Autoexporte in die USA wird momentan spekuliert. Für die deutsche NE-Metallindustrie hätte das gravierende Folgen: Schätzungsweise 30 Prozent der in Deutschland produzierten Metalle werden im Fahrzeugbau verwendet. Bei Aluminium sind es 50 Prozent, beim NE-Metallguss sogar 80 Prozent. Insgesamt gehen etwa vier Prozent der NE-Produktion auf direkte und indirekte Exporte in die USA zurück.

Ein effizienter Verkehrssektor braucht NE-Metalle 

Am 3. November 2020 wird nicht nur der 46. US-Präsident gewählt. An diesem Tag wird auch über die Zukunft des Welthandels abgestimmt. Sollten die Vereinigten Staaten bis Ende 2024 weiterhin eine protektionistische Handelspolitik verfolgen, wird der freie Welthandel und damit die deutsche Wirtschaft einen spürbaren Schaden erleiden. Den handelspolitischen Weg der USA können wir nicht mitbestimmen, aber die WVMetalle wird nicht müde werden, eine einheitliche Vorgehensweise der EU und eine Rückkehr zu dem vertrauensvollen Dialog im transatlantischen Verhältnis einzufordern. 

Am 3. November 2020 wird nicht nur der 46. US-Präsident gewählt. An diesem Tag wird auch über die Zukunft des Welthandels abgestimmt.

Autor

Dr. Sebastian Schiweck ist Leiter
Handels- und Rohstoffpolitik der
WVMetalle. Sie erreichen ihn unter 

schiweck@wvmetalle.de